„Frauen in der Kunst – verkannt und übersehen“

Das Thema beleuchtet ein zentrales Problem der Kunstgeschichte: Zahlreiche Künstler:innen wurden über Jahrhunderte hinweg ignoriert, marginalisiert oder absichtlich aus dem kulturellen Gedächtnis gestrichen. Ihre Werke gerieten in Vergessenheit – oft nicht wegen mangelnder Qualität, sondern wegen struktureller Benachteiligung.

  • Patriarchale Strukturen
    Frauen durften oft keine künstlerische Ausbildung erhalten oder mussten im privaten Rahmen arbeiten. Ihre Werke wurden seltener ausgestellt oder veröffentlicht.
  • Kunstmarkt und Sammlungen
    Museen und Sammler konzentrierten sich auf männliche Künstler:innen – das prägte dauerhaft das Bild von „großer Kunst“.
  • Rollenbilder
    Weibliche Kreativität wurde oft auf „weibliche Themen“ reduziert (z. B. Stillleben, Porträts) und nicht als innovativ oder bedeutsam angesehen.
Clara Peeters 1

Clara Peeters (um 1607)

Flämische Maler:in, spezialisiert auf Stillleben. Trotz beeindruckender Technik blieb sie lange im Schatten männlicher Kolleg:innen.

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Judith Leyster (1609–1660)

Zeitgenoss:in von Frans Hals. Ihre Werke wurden ihm jahrhundertelang fälschlich zugeschrieben.

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Berthe Morisot (1841–1895)

Mitglied der Impressionist:innen. Trotz Anerkennung zu Lebzeiten wurde sie später meist als „Muse“ statt als eigenständige Künstler:in dargestellt.

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Hilma af Klint (1862–1944)

Malte abstrakt – Jahre vor Kandinsky. Wurde von der Kunstgeschichte erst im 21. Jahrhundert als Pionier:in der abstrakten Kunst anerkannt.

20. Jahrhundert

Frida Kahlo 1

Frida Kahlo (Mexiko)

Symbol für weibliche Selbstbestimmung und Identität.

Gabriele Muenter 1

Gabriele Münter (Deutschland)

Mitbegründer:in des Blauen Reiters.

Georgia O Keeffe 1

Georgia O’Keeffe (USA)

Wegbereiter:in der amerikanischen Moderne.

Die Rolle der Frau in der heutigen Kunstwelt

  • Stärkere Sichtbarkeit: Frauen stellen in Museen, Biennalen und Galerien aus wie nie zuvor.
  • Netzwerke und Förderprogramme: Immer mehr Stipendien und Auszeichnungen sind gezielt auf Künstler:innen ausgerichtet.
  • Feministische Positionen: Viele Künstler:innen setzen sich offen mit Themen wie Körper, Geschlecht, Identität und Macht auseinander.

Bleibende Probleme:

  • Gender Pay Gap: Künstler:innen verdienen im Durchschnitt weniger.
  • Unterrepräsentation: In wichtigen Sammlungen, Auktionshäusern und Leitungspositionen dominieren weiterhin Männer.
  • Altersdiskriminierung: Ältere Künstler:innen erhalten oft weniger Aufmerksamkeit.

Inzwischen gewinnen Frauen in der zeitgenössischen Kunstszene an Sichtbarkeit, etwa mit Künstler:innen wie Marina Abramović (Performance-Kunst) oder Nele Kaczmarek (deutsche zeitgenössische Maler:in).

  • Marina Abramović (Serbien): Wegbereiter:in der Performancekunst.
  • Yayoi Kusama (Japan): Berühmt für ihre Infinity-Räume und Punk-Energie.
  • Kara Walker (USA): Schafft provokative Scherenschnitte zu Rassismus und Geschlechterrollen.

Die zeitgenössische Kunstszene in Österreich ist vielfältig, politisch, kritisch und stark von feministischen und gesellschaftskritischen Themen geprägt. Viele dieser Künstler:innen arbeiten interdisziplinär und sind sowohl national als auch international aktiv.

Valie Export (geb. 1940)

  • Medium: Medienkunst, Performance, Film
  • Themen: Feminismus, Körper, Identität, Kritik an patriarchalen Strukturen
  • Bekannt für: Provokante Performances in den 1960er/70er-Jahren, z. B. TAPP und TASTKINO
  • Einfluss: Eine der einflussreichsten feministischen Künstler:innen Europas
  • Zitat: „Der Körper ist das erste und wichtigste Medium des Menschen.“
Elke Silvia Krystufek

Elke Silvia Krystufek (geb. 1970)

  • Medium: Malerei, Fotografie, Video, Performance
  • Themen: Sexualität, Weiblichkeit, Selbstinszenierung, gesellschaftliche Normen
  • Bekannt für: Provokative Selbstporträts und Arbeiten mit autobiografischem Bezug
  • Repräsentation: Österreichische Pavillon-Bespielung auf der Biennale di Venezia 2009
Eva Schlegel 1

Eva Schlegel (geb. 1960)

  • Medium: Fotografie, Installation, Skulptur
  • Themen: Sprache, Körper, Unschärfe, Wahrnehmung
  • Bekannt für: Verschwommene Frauenakte, Glasinstallationen mit Schrift
  • Ausstellung: Biennale Venedig 1995 (österreichischer Pavillon)
Deborah Sengl 1

Deborah Sengl (geb. 1974)

  • Medium: Malerei, Installation, Objektkunst
  • Themen: Konsumgesellschaft, Machtverhältnisse, Tier-Mensch-Beziehungen
  • Bekannt für: Tiere mit Menscheneigenschaften (z. B. Ratten mit Kleidung), kritische Installationen
  • Werk: Die letzten Tage der Menschheit (Inszenierung von Karl Kraus’ Drama mit ausgestopften Tieren)

Katharina Cibulka (geb. 1975)

  • Medium: Film, Fotografie, Textilkunst, Installation
  • Themen: Gleichberechtigung, Gender, Gesellschaft, Feminismus
  • Bekannt für: Die Netzkunstserie „SOLANGE“ („As long as the art world is a boys‘ club, I will be a feminist.“)
  • Ort: Die riesigen Botschaften auf Baugerüsten sind international sichtbar geworden (u. a. Wien, New York, Berlin)
Ines Doujak 1

Ines Doujak (geb. 1959)

  • Medium: Installationen, Collage, Textilkunst, Performance
  • Themen: Kolonialismus, Gender, Kapitalismuskritik, Körperpolitik
  • Stil: Politisch provokant, oft mit popkulturellen Elementen kombiniert
Ashley Hans Scheirl 1

Ashley Hans Scheirl (geb. 1956)

  • Medium: Malerei, Film, Performance, Installation
  • Themen: Geschlecht, Transformation, queere Identität
  • Fakten: Trans* Identität wird aktiv in der Kunst thematisiert
  • Biennale: 2022 gemeinsam mit Jakob Lena Knebl für Österreich auf der Biennale Venedig vertreten

Feministische Kunst in Österreich

Feministische Kunst in Österreich ist ein bedeutender Bestandteil der kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung seit den 1960er-Jahren. Sie stellt patriarchale Strukturen, Geschlechterrollen und Machtverhältnisse in Frage und nutzt dabei vielfältige künstlerische Mittel wie Performance, Installation, Fotografie, Film und Textilkunst. Österreichische Künstler:innen haben in diesem Bereich international wichtige Beiträge geleistet.

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Was ist feministische Kunst?

Feministische Kunst will:

  • auf Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern aufmerksam machen,
  • den weiblichen Körper und weibliche Erfahrung sichtbar machen,
  • gesellschaftliche Normen und Rollenbilder dekonstruieren,
  • unsichtbar gemachte Künstler:innen historisch und aktuell sichtbar machen.

Entwicklung der feministischen Kunst in Österreich

  • Starker Einfluss durch die Zweite Frauenbewegung
  • Künstler:innen begannen, den Körper als politisches Medium zu nutzen

Wichtige Vertreterin: Valie Export

  • International anerkannte Avantgarde- und Performance-Künstler:in
  • Werke wie Tapp und Tastkino (1968) kritisieren die Objektifizierung von Frauen
  • Gründete 1973 das erste österreichische Archiv für feministische Kunst
  • Museen und Galerien begannen, feministische Kunst gezielt zu zeigen
  • Auseinandersetzung mit Themen wie Sexualität, Macht, Migration, Repräsentation

Künstler:innen dieser Phase:

  • Elke Silvia Krystufek – arbeitet mit sexueller Provokation und Selbstinszenierung
  • Eva Schlegel – Unschärfe als Strategie gegen die Objektivierung des weiblichen Körpers
  • Erweiterung um intersektionale Themen: Queerfeminismus, Postkolonialismus, soziale Ungleichheit
  • Künstler:innen nutzen öffentlichen Raum, neue Medien, soziale Netzwerke

Beispiele:

  • Katharina Cibulka – „SOLANGE“-Netzkunstwerke an Baugerüsten mit feministischen Botschaften
  • Ashley Hans Scheirl – thematisiert Genderfluidität und Identität in Malerei und Installation
  • Ines Doujak – kritisiert Kolonialismus und Gendergewalt mit multimedialen Arbeiten
  • mumok Wien (Museum moderner Kunst) – zeigt regelmäßig feministische Positionen
  • Belvedere 21 – Ausstellungen zu Gender und Körper
  • Valie Export Center Linz – Forschungszentrum für Medien- und Performancekunst
  • Academy of Fine Arts Vienna – wichtige Ausbildungsstätte für viele

https://www.mumok.at/ausstellungen/woman
https://artcube21.at/kunst-und-gesellschaft/was-ist-feministische-kunst/
https://www.wien.gv.at/alsergrund/feministischer-kunstraum
https://www.belvedere.at/besuch/belvedere-21?
https://www.valieexportcenter.at/
https://www.akbild.ac.at/de

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Museen und Galerien

Aktuelle Aufarbeitung und Anerkennung

Immer mehr Museen und Galerien stellen gezielt Werke von Künstler:innen aus. Viele Museen zeigen heute gezielt Ausstellungen vergessener Künstler:innen. Projekte wie #femaleartist oder das Buch „The Story of Art Without Men“ (Katy Hessel) machen auf diese Lücken aufmerksam. Auch im Schulunterricht und an Hochschulen findet eine kritische Revision der Kunstgeschichte statt. Aber

  • Nur rund 10–15 % der Kunstwerke in großen Sammlungen stammen von Frauen.
  • Initiativen wie Guerrilla Girls kämpfen gegen die Unterrepräsentation von Frauen in Museen.

Die Wiederentdeckung dieser Frauen bedeutet mehr als eine historische Korrektur – sie eröffnet neue Perspektiven auf die Entwicklung der Kunst. Frauen heute in der Kunst sind sichtbarer, einflussreicher und mutiger denn je – und dennoch mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Sie prägen die zeitgenössische Kunstszene weltweit mit neuen Ausdrucksformen, gesellschaftskritischen Inhalten und feministischen Perspektiven.

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SALZBURG
In Salzburg gibt es mehrere spannende Orte, an denen du Kunst von Frauen live erleben kannst – von Fotografie über moderne Kunst bis hin zu Performance und historischer Aufarbeitung.

  • Museum Kunst der verlorenen Generation
    Sigmund-Haffner-Gasse 12, 5020 Salzburg
    Zeigt Werke verfolgter Künstler:innen (u. a. Themenausstellung ➝ „Reflected“ bis Sep 2025)
  • Mönchsberg
    Gstättengasse 13, 5020 Salzburg
    Wechselnde Ausstellungen von Künstler:innen wie Rose English, Elfriede Mejchar, queere/feministische Themen
  • FOTOHOF
    Inge-Morath-Platz 1-3, 5020 Salzburg, Austria
    Galerie & Archiv für Fotografie – zeigt regelmäßig Ausstellungen mit Fotograf:innen