
Frauen & Film (Filmemacher:innen, Regisseur:innen)
Frauen in der Filmbranche weltweit: Viel Talent, wenig Anerkennung
Frauen in der Filmbranche haben in den letzten Jahrzehnten an Sichtbarkeit gewonnen, dennoch bestehen nach wie vor große Herausforderungen und Ungleichheiten. Nur 15 % aller Kinofilme entstehen unter weiblicher Regie, und Regisseur:innen erhalten höchstens 10 % der Fördergelder – trotz nahezu gleicher Abschlusszahlen an Filmhochschulen. Stereotype und jahrzehntelange Vorurteile halten Frauen vom Filmbusiness fern, besonders in technischen Berufen wie Kameraarbeit.
Auch bei den Oscars zeigt sich das Ungleichgewicht: Seit 1929 wurden über 400 männliche Regisseur:innen nominiert, aber nur acht Frauen – ausgezeichnet wurden lediglich drei. Aktuelles Beispiel: Barbie-Regisseur:in Greta Gerwig und Hauptdarsteller:in Margot Robbie gingen leer aus, während Co-Star Ryan Gosling nominiert wurde. Mehr Sichtbarkeit, faire Förderung und mediale Anerkennung sind entscheidend, um weibliche Filmschaffende aus der Randposition zu holen. Nur so kann die Branche inklusiver und gerechter werden.
Historischer Hintergrund
- Lange Zeit dominierten Männer als Regisseur:innen, Produzent:innen und Drehbuchautor:innen die Filmwelt.
- Frauen waren oft nur in „traditionellen“ Rollen vor der Kamera vertreten – meist als Schauspieler:innen in stereotypen Charakteren.
- Pionier:innen wie Alice Guy-Blaché in Frankreich bewiesen schon früh, dass Frauen auch hinter der Kamera Großes leisten können, wurden aber oft unterschätzt oder vergessen.
Frauen* in der Filmbranche in Österreich
Filmemacher:innen in Österreich haben in den letzten Jahren international beachtliche Erfolge erzielt, auch wenn die Branche lange stark männlich geprägt war.
- In den 1970er- und 1980er-Jahren begannen Frauen wie Valie Export (avantgardistische Filme, feministische Kunst) oder Kitty Kino (Karambolage, Tales from the Vienna Woods) die österreichische Filmszene aufzurütteln.
- Diese Pionier:innen kämpften oft mit geringeren Budgets und weniger Fördermöglichkeiten als ihre männlichen Kolleg:innen.
Heute ist die Präsenz von Regisseur:innen in Österreich zwar gewachsen, aber noch nicht gleichberechtigt. Einige bekannte Namen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Louise Fleck
gilt als erste österreichische Regisseur:in und Filmproduzent:in. Ihr Lebensweg spiegelt die Entwicklung der heimischen Filmgeschichte von 1908 bis 1945 wider – von der Aufbruchsstimmung des Stummfilms über die goldenen 1920er und den Übergang zum Tonfilm bis hin zur Vertreibung durch die Nationalsozialisten und ihrem Vergessenwerden nach dem Zweiten Weltkrieg.

Käthe Kratz
1947 in Salzburg geboren, ist eine österreichische Regisseur:in und Filmautor:in. Nach Studienaufenthalten in den USA studierte sie von 1967 bis 1971 an der Wiener Filmakademie – als erste Frau überhaupt im Fach Regie und Drehbuch. 1971 begann ihre Karriere, die ihr zahlreiche internationale Auszeichnungen einbrachte, darunter 1984 den Preis der Tele Confronts für ihre erfolgreiche Fernsehserie Lebenslinien (1983–1988). Neben ihrer Filmarbeit verfasste Kratz auch Theaterstücke, darunter Blut (1985), engagierte sich in der „Aktion Unabhängiger Frauen“ (AUF) und war Mitbegründerin der „Aktion Filmfrauen“ gemeinsam mit Margareta Heinrich, Kitty Kino, Heide Pils und Susanne Zanke
- Jessica Hausner – Lourdes (2009), Amour Fou (2014), Little Joe (2019) – international anerkannt, Festivalerfolge in Cannes.
- Barbara Albert – Nordrand (1999), Böse Zellen (2003), Licht (2017) – Mitbegründer:in der Produktionsfirma Coop99.
- Ruth Mader – Struggle (2003), Life Guidance (2017), Serviam – Ich will dienen (2022) – gesellschaftskritische Stoffe.
- Sabine Derflinger – Tag und Nacht (2010), Die Dohnal (2019), Vorstadtweiber (TV-Serie) – setzt sich stark für Frauenrechte ein.
- Kurdwin Ayub – Paradise! Paradise! (2016), Sonne (2022)
- Tizza Covi – La Pivellina (2009), Mister Universo (2016), Vera (2022) – gemeinsam mit Rainer Frimmel
- Kathrin Resetarits – Kurzfilme (Ägypten, Ich seh ich seh als Schauspieler:in), Drehbuch & Schauspiel
- Valie Export – Avantgarde- und Experimentalfilme wie Invisible Adversaries (1977)
- Kitty Kino – Karambolage (1983), Tales from the Vienna Woods (1979)
- Anja Salomonowitz – Spanien (2012), Dieser Film ist ein Geschenk (2019)
Förderung und Initiativen
- Die Österreichisches Filminstitut-Förderungen berücksichtigen zunehmend Gender-Balance, doch es gibt weiterhin Lücken.
- Vereine wie FC Gloria – Frauen Vernetzung Film – unterstützen gezielt Frauen in allen Bereichen der Filmproduktion.
- Das Diagonale-Filmfestival in Graz hebt regelmäßig Filme von Regisseur:innen hervor.
Herausforderungen
- Ungleich verteilte Budgets: Große Projekte landen häufiger bei Männern.
- Weniger internationale Koproduktionen mit weiblicher Regie.
- Genderstereotype, die Produktionsentscheidungen beeinflussen.
Weiterlesen:
https://www.frauentag-noe.at/themen/keine-musen-kuenstlerinnen/frauen-der-filmbranche
https://www.filmakademie.wien/de/fc-gloria/
https://magazin.wienmuseum.at/zum-150-geburtstag-von-louise-kolm-fleck
https://oe1.orf.at/artikel/654859/Die-Filmpionierin-Louise-Fleck
http://www.deutsches-filmhaus.de/bio_reg/k_bio_regiss/kratz_kaethe_bio.htm
https://www.fc-gloria.at/
https://www.vodclub.online/magazin/female-voices-osterreischische-filmemacherinnen-im-fokus/
https://www.filminaustria.com/initiativen/gender-focus/
https://www.urbanuncut.de/ungleichheit-in-der-filmbranche/
https://www.urbanuncut.de/frauen-in-der-filmgeschichte/
https://www.domestika.org/de/blog/10283-9-einflussreiche-filmemacherinnen-und-ihre-sehenswerten-filme
https://filminstitut.at/wp-content/uploads/2024/04/GenderReport2024_220x297_FINAL_Web.pdf
https://www.uibk.ac.at/de/newsroom/2024/filmreport-gleichstellung-in-slow-motion/
https://www.filminkarlsruhe.de/2023/05/22/wie-gleichgestellt-sind-frauen-in-der-filmbranche/
https://www.canon.at/pro/stories/women-in-filmmaking-debate/